Was Hydration eigentlich bedeutet
Hydration ist Wasser als Prozentsatz des Mehls, nach Gewicht. 500 g Mehl mit 350 g Wasser sind 70 %. Sie ist der beste Einzelindikator dafür, wie sich ein Teig verhält: wie klebrig er sich anfühlt, wie offen die Krume backt, wie viel Spannkraft du beim Falten aufbauen musst.
Warum dein Anstellgut die Zahl verändert
Anstellgut ist keine magische dritte Zutat — es ist Mehl und Wasser, das gerade fermentiert. Übliches Anstellgut wird bei 100 % Hydration geführt: gleiche Gewichte von beidem. 100 g davon schmuggeln also 50 g Mehl und 50 g Wasser in deinen Teig.
Durchgerechnetes Beispiel — das klassische Anfängerrezept:
- 500 g Mehl + 350 g Wasser + 100 g Anstellgut (100 %) + 10 g Salz
- Echtes Mehl = 500 + 50 = 550 g · echtes Wasser = 350 + 50 = 400 g
- Hydration = 400 ÷ 550 = 72,7 % — nicht die 70 %, die die schnelle Division nahelegt
Diese 2,7 Punkte sind der Unterschied zwischen einem Teig, der sich wie vom Rezeptautor gedacht verhält, und einem, der sich rätselhaft schlaff anfühlt. Festes Anstellgut (50–65 %) verschiebt die Zahlen noch weiter — genau deshalb fragt der Rechner nach der Anstellgut-Hydration.
Eine Hydration wählen
- 55–65 % — fest, leicht zu handhaben: Bagels, Brezeln, straffe Kastenbrote.
- 65–70 % — der Anfänger-Sweetspot: verzeiht beim Formen, öffnet trotzdem schön.
- 70–78 % — klassischer Handwerksbereich: schlaff, leicht klebrig, große unregelmäßige Krume.
- 78–90 % — Expertengebiet: Ciabatta und Focaccia, nasse Hände Pflicht.
Zwei Einschränkungen: Das Mehl zählt (Vollkorn und proteinreiche Mehle trinken mehr Wasser — 75 % mit starkem Brotmehl kann sich wie 70 % mit hellem Standardmehl anfühlen), und das Klima spielt auch ein wenig mit. Nimm die Bereiche als Landkarte, nicht als Gesetz.
Den Rückwärts-Modus nutzen
„Teig planen" rechnet von der Antwort rückwärts. Angenommen, du willst zwei 900-g-Laibe bei 75 % mit 20 % Anstellgut und 2 % Salz: Der Rechner zerlegt erst das Anstellgut in Mehl und Wasser und gibt dir dann die exakten Wiegemengen — Mehl 915 g, Wasser 661 g, Anstellgut 203 g, Salz 20 g. Keine Algebra um Mitternacht.
FAQ
Zählt das Anstellgut zur Hydration?
Ja — immer. Es ist Mehl und Wasser wie alles andere in der Schüssel. Siehe das Beispiel oben.
Mit welcher Hydration fange ich an?
65–70 %. Pro Backtag 2–3 % höher, wenn dein Formen besser wird.
Sind 75 % viel?
Moderat. Erwarte einen klebrigen, entspannten Teig, der nasse Hände und sanfte Behandlung will — und dich mit offener Krume zurückzahlt.
Wie geht das von Hand?
Anstellgut-Mehl = Anstellgut ÷ (1 + Hydration/100). Anstellgut-Wasser = der Rest. Beides zu Mehl und Wasser addieren, Wasser durch Mehl teilen, mal 100.
Ich führe festes Anstellgut — macht das was aus?
Einiges. 150 g eines 50-%-Anstellguts sind 100 g Mehl + 50 g Wasser. Trage deine echte Zahl bei „Hydration des Anstellguts" ein, und die Summen stimmen wieder.